Januar 2021


Bauernbox.

Anni von der Bauernbox aus Münster erzählte uns ihre ganz eigene Erfolgsgeschichte. Bei einem digitalen Talk verriet sie, dass es vor allem die mentale Stärke als Unternehmerin ist, die ihr Unternehmen voran bringt. 

Was hat dich angetrieben, dein eigenes Business zu starten?

Die Mentalität „mit dem Kopf durch die Wand“, weil ich einfach etwas bewegen wollte. Während meiner Tätigkeit als Mitarbeiterin in einem Unternehmen habe ich gemerkt, dass ich in der vorhandenen Unternehmensstruktur nicht die Möglichkeit hatte, so viel zu bewegen, wie ich Motivation hatte. Das war der Anstoß, mein eigenes Ding zu machen und ein Unternehmen zu gründen.


Du bist nun schon eine ganze Weile Unternehmerin. Was gefällt dir am meisten am Unternehmerinnen-Dasein?

Flexibilität und Abwechslung schätze ich besonders am UnternehmerInnen-Dasein. Man stellt sich mit seinen Gedanken und der Unternehmensstruktur breit und vielseitig auf. Ich habe viel Spaß daran, mit vielen verschiedenen Aufgaben und Bereichen konfrontiert zu sein. Dadurch ist meine Arbeit nie eintönig. Manchmal ist sogar überhaupt nicht abzusehen, was am nächsten Tag passiert. Dies ist jedoch gleichzeitig auch eine große Herausforderung. Ich würde behaupten, dass man als Unternehmer:in 10-12 Aufgabengebiete in einer Person ausfüllen muss oder zumindest ausfüllen kann, um Andere auch anzuleiten. Ich kann in meinem Unternehmen alles: vom Kisten packen, einholen bis verteilen, sowie alle Schritte von der Buchhaltung bis zur Rechnungsstellung. Erst wenn ich den Prozess selber gut kenne und in alle Schritte involviert bin, kann ich Lösungen für Vorgänge finden. Dies bedarf eines großen Umdenkvermögens und erfordert viel Energie.   


Was braucht es deiner Meinung nach, um eine gute Unternehmerin zu sein, z.B. Fähigkeiten oder Eigenschaften? 

Man braucht definitiv eine Macher-Mentalität. Wenn man anfängt, viel über alles nachzudenken, wird es schwierig. Wenn man aber „einfach macht“, aktiv Lösungen findet und diese nicht zu sehr hinterfragt, kann man diesen „Wahnsinn“ im Alltag als UnternehmerIn meistern. Damit meine ich nicht, dass Hinterfragen grundsätzlich falsch ist. Bevor man Vorgänge anstößt, ist es natürlich sinnvoll, diese zu hinterfragen. Es kommt aber darauf an, wie viel Zeit man damit verbringt bzw. wie lange man überlegt, welche anderen passenden Lösungen es noch geben könnte. Währenddessen kann das Problem immer größer werden, sodass es irgendwann zu spät ist, eine Lösung zu finden. Daher bedarf es einer Macher-Mentalität, die entscheidungswillig und handlungsfähig ist, die sagt „so wird das jetzt gemacht“, auch wenn es noch viele andere mögliche Lösungswege gäbe.


Bezeichnest du Macher-Mentalität auch als deine größte Stärke als Unternehmerin ist oder siehst du deine größte Stärke in einem anderen Bereich?

Unkonventionell denken würde ich als meine größte Stärke herausstellen. Letztendlich wandelt sich diese Fähigkeit aber auch immer. Ich bin am Anfang beispielsweise mit ganz viel Leichtigkeit an das Unternehmertum herangegangen und habe auf meinem Weg schon einiges lernen dürfen. Es gab auch einige Annahmen, die sich hinterher widerlegt haben, sodass ich reflektieren und Prozesse verändern musste. Mittlerweile empfinde ich nicht mehr so viel Leichtigkeit und damit ist die Mentalität, unkonventionell zu denken, ein wenig geschrumpft. Dennoch ist das unkonventionelle Denken immer noch die ganze Zeit vorhanden. Diese Mentalität macht es überhaupt erst möglich, neue Lösungen zu finden, indem man um die Ecke denkt und einen anderen Weg als den konventionellen einschlägt.


Wo hast du auf dem Weg als Unternehmerin am meisten gelernt und woran bist du am meisten gewachsen?

Ich bin am meisten an der eigenen mentalen Stärke gewachsen, weil immer wieder der Rückschluss da ist: „nur ich kann es an mir verändern, um die Problematik zu verändern oder eine Lösung zu finden“. Als Kopf des Ganzen ist es letztendlich so, dass alles bei mir zusammenkommt. Wenn meine mentale Stärke nicht Stand hält, bricht das gesamte Konstrukt zusammen. Am Anfang seines Weges ist man zum Beispiel noch völlig überzeugt von seiner Idee, was auch wichtig ist. Irgendwann kommt man jedoch in der Realität an und sieht, dass in der Praxis viele Herausforderungen und Stolpersteine auf einen zukommen. An diesem Wendepunkt muss man für sich entscheiden: Bin ich das noch ich? Ist diese Idee noch weiter haltbar und was hält mich genau an dieser Idee? Kann ich dem auch mental standhalten? Zu Beginn hätte ich nie gedacht, dass ich an meine Grenzen stoßen könnte, weil ich mich immer als mental sehr stark eingeschätzt hatte. An diesem Punkt habe ich gemerkt, dass ich an mentaler Stärke weiter wachsen muss, und mich gerade dieser Weg wachsen lässt. Meine Unternehmensberatung sagte anfangs einmal: „Das, was in der Unternehmensgründung wirklich zählt, ist durchhalten.“ Auch wenn ich Durchhalten damals noch nicht als meine größte Stärke angesehen habe, hat sich letztendlich doch gezeigt, dass Durchhalten eine Stärke von mir ist, die sich im Nachhinein ausgezahlt hat und mich auch von vielen anderen, die diesen Weg als Unternehmer:in nicht so lange gehen, unterscheidet.


Was machst du konkret, um deine mentale Stärke zu bilden? 

Ich baue auf ein gewachsenes Vertrauen in mich selbst, indem ich mich darauf beruhe, dass ich alle Herausforderungen in den letzten 2 Jahren gut gemeistert habe und immer eine Lösung finden konnte. Natürlich kann mich eine neue Herausforderung kurz ein bisschen zittern lassen. Es gibt keine goldene Lösung und auch ich kann nicht immer allem perfekt standhalten. In solchen Situationen hilft mir ebenfalls der Austausch mit erfahrenen Unternehmer:innen, in dem ich ihnen genau solche Fragen stelle, um herauszufinden, wie sie an Probleme herangehen. Wenn mir dann eine Vorgehensweise gut gefällt, versuche ich, sie auf die eigene Problemstellung zu übertragen.