Februar 2021


muenster.fair

Barbara und Lea sind aus ihrer Leidenschaft für Nachhaltigkeit heraus Social Entrepreneurs geworden: 2019 gründeten sie das Startup muenster.fair, um eine Plattform zu schaffen, die als fairer Guide mit festgelegten Nachhaltigkeitskriterien über die Vielzahl an Münsters nachhaltigen Angeboten in Kategorien wie z.B. Gastronomie, Einzelhandel oder Secondhand informiert. In einem digitalen Interview berichten sie, dass es vor allem auf eine Machermentalität und den Glauben an die eigene Idee ankommt, um mit dem eigenen Unternehmen erfolgreich zu sein.

Was hat euch bewegt, euer eigenes Unternehmen muenster.fair zu gründen?

Barbara:   Wir sind bereits seit langer Zeit befreundet und haben an der WWU in Münster auch länger zusammengearbeitet. Wir haben uns immer für die gleichen Sachen interessiert: für’s Essen gehen, ausgehen, Kaffee trinken. Und für Nachhaltigkeit. Dadurch ist uns aufgefallen, dass es für die Größe der Stadt Münster ein enormes Angebot an tollen Cafés und Restaurants gibt sowie eine Vielzahl an Möglichkeiten, nachhaltig einzukaufen. Viele Angebote kannten wir zwar schon, aber wir haben uns dann doch meistens im eigenen Viertel bewegt, sind immer zu denselben Cafés gegangen usw. Eines Tages hatten wir die relativ spontane Idee einer Plattform, auf der alle nachhaltigen Angebote gesammelt erscheinen könnten. Es sollte eine Plattform sein, auf der man nachgucken und sich informieren kann, wenn man beispielsweise nicht hier wohnt, sondern nur hier zu Besuch ist, oder wenn man neu in die Stadt kommt, wie z.B. viele „Erstis“. Dies sollte es denjenigen, die sich für Nachhaltigkeit interessieren und darauf bei ihrem Konsum achten möchten, erleichtern, sich in Münster zu orientieren. Nachdem wir feststellten, dass es solch eine Plattform noch nicht gab, beschlossen wir kurzerhand: wir müssen das selber machen. Bereits kurz nachdem Mitte 2019 die Idee aufkam, haben wir uns relativ schnell an die Umsetzung begeben und haben die Website aufgebaut. 


 Was gefällt euch am meisten daran, Unternehmerinnen zu sein? 

Barbara:   Was mir unheimlich gut gefällt, ist die Flexibilität und die Freiheit, um Sachen zu gestalten und Sachen anzupacken. Es ist ein tolles Gefühl, Sachen einfach mal so zu machen, wie man sie gerne haben möchte. Es ist ein sehr befreiendes Gefühl, sich von Konventionen zu lösen und sie sprengen zu können. Das ist eine Arbeitsweise, die mir sehr gut gefällt. Es ist dadurch nicht weniger Arbeit, eher im Gegenteil, aber man weiß, wofür man alles tut. Wenn es das eigene Unternehmen ist, fällt einem die Arbeit leichter. Das ist ein schönes Gefühl. 

Lea:   Ich würde alles so unterschreiben, was Barbara gesagt hat. Es ist genau das: dass man die Arbeit für seine eigene Idee macht und auch sieht, wie sich die eigene Idee entwickelt. Das schönste ist, wenn auch andere Leute das Unternehmen positiv annehmen, auf einen zukommen und sagen „Eure Idee ist super, genau das hat eigentlich gefehlt.“ Es ist einfach ein gutes Gefühl, so ein Feedback zurückzubekommen, weil man dann weiß, wofür man alles macht. 

 

Was braucht es eurer Meinung nach, um ein/e gute Unternehmer:in zu sein? Kommt es auf ein bestimmtes Mindset oder auf bestimmte Fähigkeiten an? 

Barbara:   Ich glaube, es ist auf jeden Fall das Mindset. Jeder hat unterschiedliche Fähigkeiten, die im Unternehmertum hilfreich sein können, aber jedem fehlen auch bestimmte Fähigkeiten. Das Fehlen von Fähigkeiten kann man jedoch ausgleichen, zum Beispiel indem man tolle Co-Founder findet, die diese Schwächen wieder ausgleichen können. Es kommt daher mehr auf das Mindset an. Unser Spruch ist super simpel, aber wir sagen immer „einfach machen“, weil es niemand anders macht. Deine Idee wird niemand so umsetzen, wie du sie geplant hast und wie du sie visionierst. Man muss einfach anfangen und ins Handeln kommen. Und dann kommt jeder Schritt auf einen zu, ob man will oder nicht. Damit muss man umgehen und dann wird man auch Fähigkeiten entwickeln, damit umzugehen. Aber diesem ersten Impuls einfach nachzugehen und zu sagen „ ok komm‘, jetzt mach ich‘s einfach“, hat uns immer geholfen, dass wir tatsächlich sofort angefangen haben.  Wir hatten die Idee und eine Woche später haben wir schon überlegt. Das hilft, die Zeitspanne zu überbrücken, in der Zweifel oder schlechte Gedanken aufkommen könnten. Und wenn man schon losgelegt hat, denkt man sich „das wird schon klappen!“ Man braucht das Mindset, sich auf etwas einzulassen, was man vorher nicht absehen kann. Eine gewisse Resilienz gegen Sachen, die schieflaufen, ist auch hilfreich. Aber ich glaube nicht, dass man bestimmte Fähigkeiten braucht. 

Lea:   Eine gewisse Art von Grundorganisation zu haben, kann eine hilfreiche Fähigkeit sein. Vor allem, wenn man das eigene Unternehmen als Nebentätigkeit hat. Barbara arbeitet zum Beispiel noch an der Uni und schreibt ihre Doktorarbeit. Und ich arbeite in einem Büro für Nachhaltigkeit als strategische Beratung für Unternehmen. Daher muss man gut organisiert sein. Wenn es um das Mindset geht, sollte man meiner Meinung nach auch eine gewisse Offenheit gegenüber neuen Ideen und neuen Impulsen von außen mitbringen. Neben der von Barbara bereits erwähnten „einfach machen“-Mentalität, halte ich es auch für wichtig, nach Hilfe zu fragen, wenn man mal nicht weiter weiß. Das ist auch was, was wir gelernt haben. Statt sich zu fragen, ob man wirklich fragen sollte, würden wir beide jetzt den Tipp mit auf den Weg geben: fragt einfach. Die Leute finden es in der Regel gut, wenn man sie anfragt wegen ihrer Expertise, die man selber nicht hat. 


Welche Herausforderungen sind euch als Unternehmerinnen begegnet und was war bisher euer größtes Learning? 

Barbara:   Wir sind beide Geisteswissenschaftlerinnen. Ich habe zwar VWL studiert, aber das hilft einem bei der Gründung eines Unternehmens nicht so viel weiter. Die Wahl der Unternehmensform war bei uns eine große Anstrengung, weil wir dabei in vielerlei Hinsicht nicht auf unser Bauchgefühl gehört haben. Das war auch unser größtes Learning, dass man öfter auf seine Intuition und auf das, womit man sich gut fühlt, vertrauen sollte. In der Situation hat es uns auch geholfen, all unseren Mut zusammenzunehmen und die Unternehmensform nochmal zu ändern. Ab jetzt vertrauen wir auf unser Bauchgefühl, wenn wir darüber entscheiden, mit wem wir zusammenarbeiten möchten und mit wem nicht. Da sind wir mittlerweile fast schon rigoros, dass wir sagen: Wenn wir nicht beide ein gutes Gefühl haben, dann vertrauen wir darauf, dass es auch einen Sinn hat, dass das Gefühl nicht gut ist. Es gibt diese Momente, in denen wir uns angucken und sagen: nein, das machen wir nicht. Dadurch lehnen wir vielleicht auch manchmal Sachen ab, die aus rationalen Gründen und auf den ersten Blick die bessere Option wären. 

Lea:   Absolut, hundertprozentig. 

Was würdet ihr als eure persönliche Stärke als Unternehmerinnen bezeichnen? 

Lea:   Ich würde es als eine unserer persönlichen Stärken betrachten, dass wir immer versuchen, positiv zu denken. Wenn eine Herausforderung auftaucht, geben wir nicht auf, sondern versuchen immer, das Positive darin zu sehen. Eine weitere Stärke ist unser lösungsorientiertes Denken. Wir machen uns nicht zu viele Gedanken über das Problem, sondern überlegen stattdessen, was die Lösung des Problems ist. 

Barbara:   Das ist vielleicht eher deine persönliche Stärke. Ich bin immer etwas pessimistischer als Lea. Aber eine große Stärke, die uns vereint, ist der Glaube an die Idee. Wenn man daran glaubt, was man macht, und wenn man hinter seiner Idee steht, kommt das positive Mindset automatisch. Das ist eine Stärke, die man nicht unterschätzen sollte, im Gegensatz zu dem einfachen Wunsch, ein Unternehmen gründen zu wollen nur um der Unternehmensgründung willens. Das kann auch funktionieren, aber wenn man hinter seiner Idee steht, hängt man sich mit mehr Herzblut rein und das merken die Leute. 

Lea:   Ja genau, dadurch ist man authentisch.