März 2021


Westfalenwolle

 

Jennifer, Gründerin von Westfalenwolle, schilderte uns in einem digitalen Talk den Prozess bis zur Gründung ihres Unternehmens und erklärte, weshalb ihr die Pandemie dabei sogar von Vorteil war. 

 

Wie bist du auf die Idee gekommen, Westfalenwolle zu gründen? 

Ich habe Handarbeit von meiner Oma gelernt und bin damit aufgewachsen. Als mir dann in meinem Studium aufgefallen ist, dass das Thema Schafe als Nutztiere nicht weit verbreitet ist, fand ich das sehr schade, weil beides sehr eng miteinander verbunden ist. Da Handarbeit wieder in den Trend kommt und auch Nachhaltigkeit sowie Regionalität für den Kunden immer wichtiger werden, habe ich eine Chance gesehen. Durch die Pandemie boomt der Online-Handel und die Leute brauchen zuhause eine Beschäftigung, weshalb sie dann auch mal gerne stricken. Dadurch bin ich auf die Idee gekommen, einen Online-Shop zu gründen, der mit regionaler bzw. deutscher Wolle handelt und sowohl Strickgarn als auch Garn zum Spinnen und Filzwolle anbietet. Mit der Erstellung der Webseite fing alles an und ich hatte glücklicherweise Hilfe. Der nächste Schritt für mich war, eine Förderung zu bekommen. Dabei bin ich auf das Gründerstipendium gestoßen und habe mich einfach beworben. Als ich dann eine Zusage bekam, hat mich das nochmal in meinem Vorhaben bestärkt. Online-Shops, die Wolle anbieten, sind an sich nichts Neues. Westfalenwolle ist da etwas anders, denn uns macht die Regionalität zu etwas Besonderem

 

Seit wann hast du mit dem Gedanken gespielt, ein Unternehmen zu gründen? 

Ich habe schon immer daran gedacht, da mehrere meiner Familienmitglieder ihre eigenen Firmen führen. Außerdem finde ich das Konzept, sein eigener Chef zu sein, super. Westfalenwolle zu gründen war ein sehr langer Prozess, aber durch die Pandemie hatte ich enorme Vorteile, wie ich an Wolle komme. Über Ebay Kleinanzeigen bin ich mit Schäfern und Hobbyschäfern in Kontakt getreten, deren Problem es ist, dass sie ihre Wolle nicht loswerden und dann wegschmeißen. Manchmal wird die Wolle einmal im Jahr zu einer Sammelstelle gebracht, dann ins Ausland verschifft, dort verarbeitet und anschließend wieder reimportiert. Das ist schade. Für die Verarbeitung habe ich mir ein lokales Netzwerk aufgebaut und dann angefangen zu produzieren. Das lief erstaunlich gut. Ich hatte allerdings noch keine fertige Strickwolle, weshalb ich auf die Idee kam, einen bereits bekannten Hersteller zu vermarkten. Ich habe mich dann für die Marke Opal entschieden, einen Hersteller von deutscher Sockenwolle. Das kam gut an, weshalb sie immer noch in meinem Shop zu finden sind. 

 

Wie nimmst du das Gründerökosystem in Münster wahr? Hattest du viel Unterstützung? 

Ich muss sagen, dass ich durch das Gründerstipendium sehr viel Unterstützung bekommen habe. Wenn ich Fragen habe, kann ich immer jemanden um Rat fragen, zum Beispiel musste ich unglaublich viele Papiere ausfüllen und da war die Unterstützung sehr gut. Man bekommt auch einen persönlichen Coach, mit dem man sich in Kontakt setzen kann. Dadurch fühle ich mich sehr gut aufgenommen. Außerdem gibt es in den sozialen Medien verschiedene deutschlandweite Netzwerke von jungen Gründern, wodurch man neue Kontakte knüpfen kann. 

 

Was war bisher deine größte Herausforderung auf dem Weg zur Selbstständigkeit? 

Die größte Herausforderung ist der Faktor Bekanntheit und ist permanent präsent. Man kann super Produkte und einen tollen Online-Shop haben, aber wenn man nicht gefunden wird, bringt einem das nichts. Das ist eine Sache, an der man permanent arbeitet. Ich habe zum Beispiel gemerkt, dass Instagram viel mehr bringt als Facebook. Meine Zielgruppe sind 30- bis 50-jährige Frauen, die gerne stricken. Ich dachte, dass diese viel eher auf Facebook zu finden sind, weshalb ich viele Werbeanzeigen für die entsprechende Zielgruppe geschaltet habe. Allerdings erreichte ich damit nicht viel. Dann bin ich auf Instagram gekommen und habe gemerkt, dass Verlinkungen und Kooperationen auf Instagram der Weg sind. Zusätzlich habe ich noch mit YouTube angefangen, da es auch ziemlich präsent ist. Eine YouTuberin hat mich sogar in ihrem Video erwähnt, was mir auf jeden Fall bei meiner Reichweite geholfen hat. Aber allgemein ist es schwierig, Bekanntheit zu erlangen. 

 

Was sind die nächsten Ziele für dein Unternehmen? 

Für dieses Jahr ist das Ziel, eigene Wolle zu produzieren, damit die Kunden Wolle in verschiedenen Farben von regionalen Schafen kaufen können. Leider ist meine Wolle noch nicht fertig, da die Produktion sehr lange dauert. Künftig möchte ich auch auf jeden Fall mehr Bekanntheit erreichen und auf Dauer wäre mein Ziel, von meinem Unternehmen Leben zu können. 

 

Was reizt dich am meisten daran, Unternehmerin zu sein? 

Was mir am meisten Spaß macht ist, dass man sein eigener Chef ist und viele seiner Ideen wirklich umsetzen kann. Außerdem bringt man viel mehr Motivation mit. Ich finde es auch toll, wenn man sieht, dass die Produkte gut ankommen und gekauft werden oder man zum Beispiel nette E-Mails erhält, weil Kunden sich über die Produkte freuen. 

 

Was ist deine persönliche Stärke als Unternehmerin? 

Ich würde sagen Flexibilität. Das war schon immer so. Kleine Probleme treten regelmäßig auf und man muss sie selbstständig lösen können. Meine Flexibilität hilft mir dabei, auf diese Probleme zu reagieren und mir immer etwas Neues einfallen zu lassen.